für Kinder / Methoden

Psychomotorik

"Man sieht nur mit dem Herzen gut!". Dieser Satz aus "Der kleine Prinz" von Saint-Exupéry könnte als Leitsatz über der psychomotorischen Arbeitsweise stehen.

Prof. E.J. Kiphard - der Begründer der deutschen Psychomotorik - kennzeichnet die Psychomotorik als eine "ganzheitlich humanistische, entwicklungs- und kindgemäße Art der Bewegungserziehung". Psychomotorik weist auf die enge Verbindung von Psyche und Motorik hin. Die seelische und körperliche Entwicklung stehen in enger Beziehung zueinander. Im Mittelpunkt steht die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung und Handlungsfähigkeit. Ein wesentliches Prinzip ist das der Freiwilligkeit. Die Kinder werden nicht zu bestimmten Bewegungen oder Spielen gezwungen, sie sollen vielmehr aufgrund der Attraktivität des Angebotes eine Eigenaktivität entwickeln. Erlebnisorientierte Bewegungssituationen, interessante Materialien und Inhalte mit hohem Aufforderungscharakter sollen Freude an der Bewegung wecken. Es wird nicht defizitorientiert gearbeitet. An vorhandenes Können, an Fähigkeiten und bestehende Interessen wird angeknüpft, um den Einzelnen zu fördern. Nur so kann das Selbstvertrauen entstehen, das dem Patienten ermöglicht sich eigenen Schwächen zuzuwenden.

Sensorische Integrationstherapie (SI) nach J. Ayres

Sensorische Integration (SI) gehört zum normalen Entwicklungsprozess. Alle über die Sinnessysteme aufgenommenen Informationen werden "integriert". Das bedeutet, sie werden im Nervensystem und Gehirn weitergeleitet, verarbeitet und gedeutet, so dass sie in sinnvolle, der Situation angemessener Handlung umgesetzt werden können.

Eine gute Vernetzung aller Sinneseindrücke ist die elementare Grundlage von Handeln, Sprechen, Denken und Lernen.

Störungen der SI können sich je nach betroffenem Sinnessystem sehr unterschiedlich äußern: Entwicklungsverzögerungen - verzögerte Sprachentwicklung - Aufmerksamkeitsdefizite - Lernprobleme - motorische Ungeschicklichkeit - Verhaltensauffälligkeiten

In der Therapie wird die Plastizität des Nervensystems und der innere Antrieb des Patienten genutzt. Je nach Befund wird durch den gezielten, handlungsorientierten Einsatz von Therapiemitteln die SI gefördert.

Elterngespräche und ggf. eine Umfeldgestaltung begleiten die Therapie.

Graphomotorik

Graphomotorik bezeichnet die Schreibbewegung. Dies ist eine differenzierte, rhythmische Bewegung zu deren Ausführung viele Vorgänge miteinander koordiniert werden müssen - ein hochkomplexer psychomotorischer Prozess.

Störungen der graphomotorischen Entwicklung können ihre Ursache z.B. in der Feinmotorik, der taktilen oder visuellen Wahrnehmung haben. Dies beeinflusst u.a.

  • Stifthaltung,
  • Finger-, Hand- und Armgeschicklichkeit,
  • Auge-Hand-Koordination und
  • Kraftdosierung.

Schwierigkeiten beim Schreibprozess ziehen häufig Probleme im gesamten Schulbereich nach sich, da in den meisten Fächern das Schreiben Voraussetzung ist.

In der Therapie werden die Ursachen aufgedeckt und die graphomotorische Entwicklung entsprechend gefördert.

Konzentrations- & Aufmerksamkeitstraining in der Gruppe

Neben der Behandlung in Einzelsitzungen bieten wir Konzentrations- und Aufmerksamkeitstraining in Gruppen mit 3-6 Kindern an.

Bei folgenden Themen kann ein Gruppentraining sinnvoll sein:

  • einfache Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen
  • erhöhte Ablenkbarkeit (z.B. visuell oder auditiv)
  • impulsiver oder auch langsamer Arbeitstil
  • Schwierigkeiten in der allgemeinen kognitiven Auffassungsgabe
  • mangelnde Ausdauer und Anstrengungsbereitschaft
  • Probleme in der selbständigen Erarbeitung von Aufgabeninhalten
  • motorische Unruhe (z.B. als Folge von Reizüberflutung)
  • Defizite in der Merkfähigkeit

Folgende Konzepte kommen u.a. zum Einsatz:

  • Marburger Konzentrationstraining
  • Training nach dem Lauth und Schlottke- Konzept
  • Britta Winter, Ergotherapie bei Kindern mit AD(H)S
  • Arbeitsblätter aus unterschiedlichen Hirnleistungsprogrammen

Die verschiedenen Konzepte werden auszugsweise genutzt und flexibel an das jeweilige Lernniveau der Kinder angepasst. Individuelle Schwierigkeiten der teilnehmenden Kinder (z.B. Hausaufgabensituation oder der Unterricht selbst) können auf diese Weise optimal in das Therapiegeschehen einbezogen und bearbeitet werden.

Inhaltlich geht es vor allem um:

  • die Verbesserung der Lernmotivation durch das Schaffen von Erfolgserlebnissen und durch positiven Umgang mit Fehlern
  • das Erarbeiten eines systematischen, überlegten Arbeitsstils, welcher es ermöglicht, ohne inneren Zeitdruck Aufgaben zu bewältigen
  • Reflexion über das eigene Verhalten innerhalb der Lerngruppe
  • das Erarbeiten einer ressourcenorientierten Eltern-Kind- und Lehrer-Kind- Interaktion

Die Behandlung umfasst sowohl die Therapiestunden für das Kind, als auch ggf. ein häusliches Übungsprogramm und gezielte, konkrete Elternarbeit, bei der zusätzlich eine Beratung und Anleitung für das individuelle Umfeld angeboten werden kann.

Ganzheitliches Lernen

Mit Kopf, Herz und Hand.

Unser Gehirn ist ein geniales Kaleidoskop von Interaktionen zwischen rechter und linker Hirnhälfte, zwischen Sinneseindrücken und Emotionen, zwischen gespeicherten und neuen Informationen.

Dieses ganzheitlich arbeitende Gehirn verdient ganzheitliches Lernen! Menschen und besonders Kinder lernen optimal, wenn sie als ganze Menschen mit all ihren Anlagen, Interessen, Sinnen und Gefühlen gefördert werden.

Die aktuellen Erkenntnisse aus der Hirn- und Lernforschung sind wichtig und müssen ganzheitlich in Unterrichts- und Erziehungsalltag umgesetzt werden.

So sind Denken, Erfahren und Empfinden nicht voneinander losgelöst. Wissen, Gefühle, Fähigkeiten und Fertigkeiten arbeiten vernetzt miteinander; es entstehen Erfahrungs- und Sinnzusammenhänge.

Unsere Aufgabe als Wissensvermittler und emotionale Kontaktperson besteht nun darin, das Lernmuster der uns Anvertrauten herauszufinden und gezielt darauf einzugehen z.B. durch die passende Auswahl des Therapietieres und die entsprechende Strukturierung der Lernumgebung.

Die künstlichen Bilder aus den Medien verdrängen zunehmend die konkrete, echte Begegnung von Kind und Welt. Das Greifen, das allem Be- greifen vorausgeht, kann nicht durch Abstraktionen ersetzt werden.

Oder können Sie sich vorstellen, dass Kinder durch Schautafeln und Erklärungen das Laufen lernen, den Wald erleben oder Verantwortungsbewusstsein erwerben? Sie brauchen Lernprozesse, die Bewegung, Sinneswahrnehmung und Erkenntnis effektiv verknüpfen. Kinder brauchen eine „bewegte Kindheit“, ausreichend Lebens- und Bewegungsraum, um vielfältige Grunderfahrungen zu sammeln.

Bewegung trainiert nicht nur die Muskulatur sondern auch Geist und Psyche. Sie vermittelt Raum- und Zeiterfahrungen, die für die intellektuelle Entwicklung des Kindes bedeutsam sind.

Bewegung ist das Tor zum Lernen!

Gartentherapie

Stellen Sie sich einmal vor, Sie laufen durch einen „Wald“ aus Gräsern: Weiche Rispengräser streicheln ihr Gesicht, harte Grasblätter kratzen an Ihren Beinen, Grashüpfer springen zur Seite, Samenflug zwingt zum Augenschließen, bzw. Blinzeln, es riecht nach Erde, Heu und Blumen, es knackt und raschelt bei jedem Schritt... dies alles erlebt ein fünfjähriges Kind, wenn es im Juli durch eine ungemähte Wiese läuft.

Ein Erlebnis mit allen fünf Sinnen!

In der Gartentherapie kann durch die vielfältigen Sinneseindrücke die Wahrnehmung geschult werden. Aber auch die Umsetzung von Gelenk- und Wirbelsäulenschutz-Prinzipien kann in der Gartentherapie geübt werden. Das Training komplexer Alltagshandlungen durch z.B. Erstellung von Pflanzplänen, Anlegen von Beeten, Nistkastenbau etc. fördert Handlungsplanung, Ausdauer und Aufmerksamkeit.

Durch den verstärkten Einsatz der Hände wird besonders die Feinmotorik gefördert. Es gibt eine Fülle abwechslungsreicher Tätigkeiten, z.B. kranke Blätter von Pflanzen entfernen, Erde zerkrümeln, Aussähen, Pikieren, Weiterverarbeitung: Blumen pressen, Marmelade kochen, Gestecke binden, Kräutersäckchen nähen, usw.

Nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder werden mit der Gartentherapie angesprochen. Das Teilnehmen an natürliche Kreisläufe, das Beobachten und auch aktive Eingreifen in Wachstumsprozesse, im wahrsten Sinne des Wortes eigene Früchte ernten motiviert viele Menschen.

Siehe auch Text "Wirkung natürlicher Seheindrücke" und "Biophiliehypothese".

IntraActPlus

Bei Lern- und Verhaltensstörungen:

Das IntraActPlus-Konzept

Das IntraActPlus-Konzept ist ein verhaltenstherapeutisch orientierter Therapie-und Interventionsansatz, der von Jansen und Streit auf der Basis von Ergebnissen der psychologischen Grundlagenforschung seit mehr als 20 Jahren ständig wei­terentwickelt wird.
Stärker als in der Verhaltenstherapie üblich, wird „Beziehung“ mit in die Arbeit einbezogen.

Um Beziehungssignale, die meist im Bereich von Millisekunden gesendet und verarbeitet werden, zu erfassen, wurde als Besonderheit des IntraActPlus-Konzeptes die Videoarbeit perfektioniert.  Eine positive Beziehung zwischen den Kindern und ihren Bezugspersonen steht als wichtigstes Oberziel im Mittelpunkt aller Maßnahmen. Gleichzeitig dient Beziehung auch als technisches Mittel. Beziehung ist der wesentliche Schlüssel für die Übergabe von Werten und Zielen an die nächste Generation und unabdingbar notwendig für den Aufbau von Motivation und positiver Eigensteuerung in den verschiedensten Lebensbereichen.

Die präzise und sekundengenaue Videoarbeit des IntraActPlus-Konzeptes ermöglicht eine schnelle Bewusstmachung von unbewusstem Verhalten und unbewussten Beziehungssignalen und somit eine schnelle genaue Problemanalyse. Gleichzeitig bietet eine bildlich unterstützte Gesprächsführung allen am Therapieprozess Beteiligten die Möglichkeit, Zusammenhänge zwischen eigenem Verhalten und Verhalten des Kindes mit eigenen Augen sehen zu können. Dies führt sowohl auf Seiten der Bezugspersonen als auch auf Seiten der Kinder und Jugendlichen zu einer besonders hohen Zustimmung und Mitarbeit und - wenn nötig - zu schnellen Verhaltensänderungen.

Beispiele für zu behandelnde Symptomatiken
  • Erworbene Lern- und Leistungsstörungen
  • Aggressives und oppositionelles Verhalten
  • Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen AD(H)S
  • Angst und soziale Unsicherheit
  • Störung der Beziehungsfähigkeit

Soziales Kompetenztraining

In unserer Praxis wird Soziales Kompetenztraining (SKT) in unterschiedlicher Form angeboten:

In den Gruppen, welche schwerpunktmäßig Psychomotorik oder Konzentrationstraining beinhalten, spielen auch die sozialen Interaktionen eine Rolle. Vielfach haben Kinder mit Aufmerksamkeitsdefiziten auch Schwierigkeiten im sozialen Bereich. Hier fließen Methoden aus dem SKT während der Behandlung ein.

Diese Gruppen sind fortlaufend, es kann jederzeit mit der Behandlung begonnen werden.

Daneben bieten wir in sich abgeschlossene SKT- Gruppen über 8 Einheiten plus Elternabende für folgende Altersstufen an:

  • 8-10 Jahre
  • 11-13 Jahre

Es nehmen jeweils 4-6 Kinder an der Gruppe teil, welche von zwei Therapeutinnen geleitet wird.

Gruppen bieten den Vorteil, dass - genau wie im „richtigen“ Leben - Menschen mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen aufeinander treffen, zusammenarbeiten und voneinander lernen können.

Ziel unseres Trainings ist es, dass die Kinder lernen, ihre Fertigkeiten im Umgang mit Anderen zu verbessern, weiter zu entwickeln und zu stabilisieren.

Kursthemen sind u.a.:

  • Selbstbewusstsein
  • Selbstvertrauen
  • Einfühlungsvermögen
  • Erkennen und Lösen von Konflikten
  • Grenzen selber setzen und respektieren

Damit es den Kindern gelingt, die im Training erworbenen Fertigkeiten auf ihren Alltag zu übertragen, bekommen sie nach jeder Sitzung Hausaufgaben. Für den Erfolg des Trainingsprogramms ist es ganz entscheidend, dass die Kinder von ihren Eltern darin unterstützt werden, ihre „neuen“ Fertigkeiten auszuprobieren.

Das reine SKT wird nicht von den Krankenkassen finanziert, unter bestimmten Voraussetzungen wird dieses Training jedoch vom Jugendamt unterstützt.

Sprechen Sie uns an!

Wirkung natürlicher Seheindrücke

Eine Studie, welche sich mit der Auswirkung von Gärten auf unser Wohlbefinden befasst ist die sogenannte „Fensterstudie“ von Roger S. Ullrich.

Zwei Gruppen mit jeweils 23 Patienten, denen die Gallenblase entfernt wurde, hat man während ihrer Genesung eine unterschiedliche Sicht aus den Fenstern geboten, nämlich den Blick auf den Garten und jenen auf eine Steinmauer.

Die Patienten mit Ausblick auf die Natur brauchten eine wesentlich geringere Dosis an Schmerzmitteln, im Umgang mit dem Personal wurden sie durchgehend als angenehmer beschrieben, es gab weniger Komplikationen und die Aufenthaltsdauer konnte verkürzt werden.

Weitere Messfaktoren waren u.a. auch die Herzfrequenz, der Blutdruck, der Muskeltonus oder auch die Ausschüttung bestimmter Hormone – allesamt Faktoren, welche sich bei Stress verändern und deswegen auch als Stressfaktoren zu benennen wären.

Natureindrücke vermögen nach dieser und auch anderer Studien Stress auszugleichen. Dies funktioniert so schnell, dass es nicht bewusst ablaufen kann. So konnte Ullrich bereits nach weniger als 5 Minuten bei Versuchspersonen, die Pflanzen ausgesetzt wurden, einen entsprechenden Effekt verzeichnen.

Natur, Landschaft, Gärten – eine lebendige Umgebung hat nachweislich eine emotionale Auswirkung und dieses Empfinden wiederum beeinflusst unseren körperlichen Zustand.

Siehe auch Text zur "Biophiliehypothese"

Biophiliehypothese

(Biophilie = Liebe zum Leben/ Lebendigem)

Es gibt immer mehr Belege dafür, dass die Grundlagen für unser alltägliches Verhalten während eines langen Zeitraumes entstanden sind. Dieses steinzeitliche Erbe prägt auch heute noch unser Leben.

Für das Verständnis menschlichen Verhaltens ist es wichtig zu wissen, dass sich der Verstand in der Evolution ähnlich wie andere Organe entwickelt hat, um bestimmte Aufgaben zu lösen, die für unsere Vorfahren überlebenswichtig waren. Das heißt, dass die Gehirnstrukturen und Körperfunktionen sich an der sie umgebenden Umwelt entwickelt haben.

So beruht die Biophiliehypothese des Evolutionsbiologen Edward O. Wilson auf der Tatsache, dass der Mensch im Laufe der Evolution kontinuierlich von Natur, anderen Menschen, aber auch mit wilden und domestizierten Tieren, mit Pflanzen, mit Landschaften, mit den Kräften des Wassers, des Windes, der Sonne usw. umgeben war. Aufgrund der ihm angeborenen Biophilie fühlt der Mensch sich zu anderen Lebewesen hingezogen und braucht den Kontakt mit der Natur in einem ausreichenden Maße, um körperlich, geistig und seelisch gesund zu bleiben.

Verlässt der Mensch seine (natürliche) Umwelt oder (zer-)stört sogar seinen natürlichen Lebensraum, dann nimmt er sich selbst die Umwelt, auf die hin er im Laufe der Evolution geprägt worden ist.

Siehe auch Text "Wirkung natürlicher Seheindrücke"